Startseite/Rollen und Akteursstruktur

Rollen und Akteursstruktur

Schulisches Mobilitätsmanagement ist eine Querschnittsaufgabe – keine einzelne Stelle kann sie allein umsetzen. Der Erfolg hängt davon ab, ob die verschiedenen Beteiligten ihre Rolle kennen, ihre Perspektiven einbringen können und wissen, was von ihnen erwartet wird.
Diese Seite beschreibt die zentralen Akteursgruppen, ordnet sie nach Betroffenheit und Einfluss ein und zeigt, wie die Kommunikation zwischen ihnen systematisch geplant werden kann. Die Akteursstruktur bildet damit das Fundament für die Kommunikationsstrategie und die daraus abgeleitete Kommunikationsmatrix.

Die zentralen Akteursgruppen

Im schulischen Mobilitätsmanagement lassen sich drei Ebenen unterscheiden: Entscheider:innen (Politik, Verwaltung, Schulleitung), die Rahmenbedingungen setzen; Umsetzer:innen (Lehrkräfte, Polizei, Verkehrsbetriebe), die Maßnahmen im Alltag tragen; und Betroffene (Eltern, Schüler:innen, Anwohner:innen), deren Verhalten sich ändern soll oder die von Veränderungen betroffen sind.
Jede Gruppe bringt eigene Perspektiven, Verantwortlichkeiten und Gestaltungsmöglichkeiten ein. Die folgenden Beschreibungen skizzieren Rolle, typische Persona und konkreten Bedarf:

Eltern – Die Mobilitätsentscheider:innen

Rolle: Eltern sind hauptverantwortlich für die Verkehrserziehung ihrer Kinder. Sie treffen täglich Entscheidungen über das Verkehrsmittel, begleiten Kinder oder lassen sie selbstständig gehen und prägen damit Mobilitätsmuster langfristig.
Typische Persona: Frau Becker, Mutter von zwei Grundschulkindern, organisiert täglich die Wege zur Schule und zum Sportverein. Sicherheit ist ihr wichtig, aber sie ärgert sich auch über den morgendlichen Verkehr vor der Schule.
Bedarf: Information, Beteiligung, Vertrauen in die Sicherheit, Alternative zum Elterntaxi.

Schüler:innen – Im Zentrum des Handelns

Rolle: Kinder und Jugendliche sind die unmittelbar Betroffenen schulischer Mobilitätsentscheidungen. Sie erleben den Verkehr täglich selbst – zu Fuß, mit dem Rad, im Bus oder Auto. Ihre Erfahrungen, Bedürfnisse und Kompetenzen sollten zentraler Ausgangspunkt jeder Maßnahme sein. Gleichzeitig können sie aktiv an der Gestaltung ihrer Schulwege mitwirken und lernen, Verantwortung für ihr Verhalten und das ihrer Mitschüler:innen zu übernehmen.
Typische Persona: Ali (10) fährt mit dem Roller zur Schule, kennt Abkürzungen, weiß aber nicht, wie er an der stark befahrenen Straße sicher überqueren soll. Emma (13) fährt mit dem Bus, ärgert sich über Verspätungen und das Gedränge an der Haltestelle. Beide engagieren sich in der Schülervertretung für sichere Wege.
Bedarf:
  • Gehört und ernst genommen werden (Beteiligung auf Augenhöhe)
  • Verständliche und sichere Wege
  • Mobilitätsbildung, um selbstständig, sicher und umweltfreundlich mobil zu sein
  • Motivation durch Projekte, Wettbewerbe oder Vorbilder

Schulen – Der zentrale Knotenpunkt

Rolle: Schulen sind nicht nur Bildungsorte, sondern auch Koordinationsplattformen. Sie haben den Auftrag zur Mobilitätsbildung (z. B. laut Kernlehrplänen) und können Eltern, Kinder und das Kollegium direkt ansprechen. Sie organisieren Maßnahmen (Projekte, Schulwegpläne), stellen Infrastruktur bereit (z. B. Fahrradparken) und kooperieren mit externen Partnern.
Typische Persona: Herr Schmitz, Schulleiter einer Grundschule, engagiert sich für das Thema, kämpft aber mit knappen Ressourcen und mangelnder Unterstützung bei baulichen Anliegen.
Bedarf: Strukturen, Ressourcen, Unterstützung bei Kommunikation und Umsetzung.

Polizei – Verkehrssicherheitsarbeit an Schulen

Rolle: Laut dem Erlass „Verkehrssicherheitsarbeit an Schulen“ (z. B. NRW, RdErl. des Ministeriums für Schule und Weiterbildung und des Ministeriums für Inneres), unterstützt die Polizei die Verkehrserziehung, führt Radfahrprüfungen durch und bewertet Schulwege aus sicherheitstechnischer Sicht.
Typische Persona: Polizeihauptkommissarin Yilmaz, betreut als Verkehrssicherheitsbeauftragte mehrere Schulen, kennt Gefahrenstellen und versucht, Eltern für sichere Schulwege zu sensibilisieren.
Bedarf: Kooperation mit Schule und Kommune, Einbindung in Planungen.

Kommunale Verwaltung – Gestalterin sicherer Rahmenbedingungen

Rolle: Die Verwaltung plant und realisiert sichere Wege, ÖPNV-Angebote, Radverkehrsinfrastruktur, temporäre Verkehrsberuhigungen oder Hol- und Bringzonen. Sie verfolgt strategische Ziele wie Klimaschutz, Nahmobilitätsförderung, Vision Zero, Gesundheitsförderung etc.
Typische Persona: Herr Lange, Mobilitätsplaner der Stadt, bemüht sich um sichere Schulwege, aber kämpft mit Priorisierung, Budget und politischer Unterstützung.
Bedarf: Rückmeldung aus Schulen, klare Entscheidungsprozesse, Ressourcen.

Beschäftigte der Schule – Vorbilder im Alltag

Rolle: Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal beeinflussen durch ihr Verhalten die Mobilitätskultur. Sie können Maßnahmen mittragen, als Vorbilder agieren und Themen der Mobilitätsbildung im Unterricht aufgreifen.
Typische Persona: Frau Klein, Klassenlehrerin, organisiert den „Zu-Fuß-zur-Schule“-Tag mit ihrer Klasse und kommt selbst mit dem Rad zur Schule.
Bedarf: Unterstützung bei Projektarbeit, Schulprogrammverankerung.

Verkehrsbetriebe – Anbieter zuverlässiger Alternativen

Rolle: Verkehrsbetriebe müssen pünktliche, altersgerechte, verlässliche Verbindungen anbieten. Sie sind zentrale Partner in Fragen der Erreichbarkeit, Taktung, Haltestellenlage und Sicherheitsgefühl.
Typische Persona: Herr Reuter, Regionalleiter des ÖPNV, steht häufig in der Kritik, wenn Schulbusse überfüllt oder verspätet sind. Gleichzeitig versucht er, Fahrplanwünsche der Schulen zu berücksichtigen.
Bedarf: Feedbacksystem, Integration in Schulwegeplanung.

Anwohner:innen – Mitbetroffene und Mitgestalter:innen

Rolle: Anwohner:innen erleben direkt die Auswirkungen von Elterntaxis, können Maßnahmen kritisch oder unterstützend begleiten. Eine Einbindung kann Akzeptanz steigern und Ressourcen aktivieren (z. B. Laufpaten).
Typische Persona: Frau Kühn, Anwohnerin an einer Grundschule, ist genervt vom morgendlichen Verkehrschaos, freut sich aber über verkehrsberuhigende Maßnahmen.
Bedarf: Information, Beteiligung, Rücksichtnahme.

Politik – Rahmengeber und Impulsgeber

Rolle: Politische Entscheidungsträger:innen stellen Ressourcen bereit, setzen strategische Ziele und geben die soziale Norm mit vor („Kinder sollen sicher und eigenständig zur Schule kommen“). Sie sind auch Adressat für Forderungen aus der Bürgerschaft und der Verwaltung.
Typische Persona: Frau Sommer, Ratsmitglied, engagiert sich für Mobilitätswende und Kinderschutz, sucht nach sichtbaren Erfolgen in ihrer Kommune.
Bedarf: Fachlich fundierte Konzepte, Mobilisierung öffentlicher Unterstützung.

Unfallkassen – Sicherheitspartner auf Landesebene

Rolle: Unfallkassen unterstützen Schulen in Fragen der Unfallprävention, stellen Materialien bereit und fördern Projekte. Sie beraten zur Schulwegsicherung und zur Gefährdungsbeurteilung von Maßnahmen.
Typische Persona: Herr Heinemann, Präventionsberater, besucht regelmäßig Schulen und gibt Empfehlungen zur Wegesicherung und baulichen Maßnahmen.
Bedarf: Frühe Einbindung, Rückkopplung zu Maßnahmenwirkung.

Betroffenheit und Einfluss – Wer muss wie eingebunden werden?

Nicht alle Akteure müssen gleich intensiv kommunikativ eingebunden werden. Die Stakeholder-Matrix ordnet die Beteiligten nach zwei Dimensionen: Betroffenheit (wie stark wirkt sich das Thema auf sie aus?) und Einfluss (wie stark können sie die Umsetzung fördern oder blockieren?). Daraus ergibt sich, welche Gruppen eng eingebunden, regelmäßig informiert oder gezielt aktiviert werden müssen.
Akteure mit hohem Einfluss und hoher Betroffenheit (Eltern, Schulen, Verwaltung) müssen als strategische Partner eng eingebunden werden. Akteure mit hohem Einfluss, aber geringerer Betroffenheit (Politik) brauchen kompakte, wirkungsorientierte Information. Akteure mit hoher Betroffenheit, aber geringerem Einfluss (Schüler:innen, Anwohner:innen) brauchen Beteiligungsformate, die ihre Perspektive sichtbar machen.
notion image
 
Stakeholderanalyse_Schulisches_Mobilitätsmanagement
Show All
Beteiligte
Rolle
Typische Persona
Bedarf
Betroffenheit
Einfluss
Erreichbar über
Eltern sind die täglichen Mobilitätsentscheider:innen für ihre Kinder. Sie wählen das Verkehrsmittel, begleiten oder lassen Kinder eigenständig gehen und prägen Mobilitätsmuster langfristig. Gleichzeitig sind sie die wichtigsten Multiplikator:innen untereinander – Elternnetzwerke beeinflussen Mobilitätsentscheidungen stärker als institutionelle Kommunikation.
Frau Becker (38), Mutter von zwei Grundschulkindern (6 und 9), arbeitet Teilzeit als Verwaltungsangestellte. Organisiert täglich die Wege zur Schule und zum Sportverein. Sicherheit ist ihr wichtigstes Anliegen, aber sie ärgert sich auch über das morgendliche Verkehrschaos vor der Schule, zu dem sie selbst beiträgt. Hat ein schlechtes Gewissen, wenn sie die Kinder fährt, sieht aber keine praktikable Alternative. Ist offen für Veränderung, braucht aber konkrete Angebote und das Gefühl, dass andere mitmachen.
Konkrete, umsetzbare Alternativen zum Elterntaxi (Schulweggemeinschaften, sichere Routen). Vertrauen in die Sicherheit des Schulwegs durch transparente Information. Beteiligung an der Schulweggestaltung. Positive Bestärkung statt Belehrung.
9
9
Elternbriefe, Elternabende, Schulveranstaltungen
Kinder und Jugendliche sind die unmittelbar Betroffenen und gleichzeitig der emotionale Kern jeder Kommunikation. Ihre Erfahrungen, Wünsche und ihr Stolz auf eigenständige Wege sind das stärkste Argument gegenüber allen anderen Akteursgruppen. Sie können als Botschafter:innen wirken, wenn man sie lässt.
Ali (10) fährt mit dem Roller zur Schule, kennt Abkürzungen und Fünde auf dem Weg, weiß aber nicht, wie er die stark befahrene Straße sicher überqueren soll. Erzählt stolz von seinem Schulweg. Emma (13) fährt mit dem Bus, ärgert sich über Verspätungen und Gedränge, würde lieber Rad fahren, traut sich aber wegen des Verkehrs nicht. Beide engagieren sich in der Schülervertretung und haben klare Vorstellungen davon, was sie brauchen – werden aber selten gefragt.
Gehört und ernst genommen werden – echte Beteiligung auf Augenhöhe, nicht nur symbolisch. Verständliche und sichere Wege. Mobilitätsbildung, die Spaß macht. Motivation durch Projekte, Wettbewerbe oder Vorbilder.
10
4
Klassenrat, SV, Workshops, Beteiligungsformate
Die Schulleitung ist Gatekeeper und Ermöglicherin zugleich. Sie entscheidet über die Aufnahme von Mobilitätsthemen ins Schulprogramm, initiiert Schulkonferenzbeschlüsse und schafft den organisatorischen Rahmen für Maßnahmen. Ohne ihre aktive Unterstützung kommt kein Mobilitätskonzept in die Umsetzung. Sie vertritt die Schule nach außen gegenüber Verwaltung, Politik und Eltern.
Herr Schmitz (54), Schulleiter einer zweizügigen Grundschule mit 220 Kindern. Sieht Mobilitätsmanagement als sinnvollen Beitrag zu Gesundheit und Sicherheit seiner Schüler:innen. Hat bereits erste Erfahrungen mit dem Zu-Fuß-zur-Schule-Tag gemacht und die positive Resonanz bei Kindern und Eltern erlebt. Braucht klare Strukturen und Unterstützung von außen, damit das Thema nicht an ihm allein hängenbleibt. Möchte etwas bewegen, das über seine Amtszeit hinaus Bestand hat.
Fertige Strukturen und Materialien, die ohne großen Mehraufwand einsetzbar sind. Erfolgsbeispiele anderer Schulen. Sichtbare Rückendeckung durch Verwaltung und Politik. Feedback zur Wirksamkeit, das er in der Schulkonferenz präsentieren kann.
8
8
Schulleitung, Steuergruppe, Lehrerkonferenzen
Die Polizei unterstützt die Verkehrserziehung, führt Radfahrprüfungen durch und bewertet Schulwege aus sicherheitstechnischer Sicht (Erlass „Verkehrssicherheitsarbeit an Schulen“ NRW). Ihre Empfehlungen haben gegenüber Eltern besondere Autorität und Glaubwürdigkeit – ein Kommunikationsvorteil, der bisher zu wenig genutzt wird.
Polizeihauptkommissarin Yilmaz (40), Verkehrssicherheitsbeauftragte für 12 Schulen im Bezirk. Kennt jede Gefahrenstelle, führt Radfahrprüfungen durch und versucht, Eltern für sichere Schulwege zu sensibilisieren. Frustriert darüber, dass sie oft erst gerufen wird, wenn es schon Probleme gibt. Wünscht sich frühzeitige Einbindung und eine klare Rolle im Gesamtkonzept statt punktueller Einsätze.
Frühzeitige Einbindung in Planungsprozesse statt nachträglicher Beteiligung. Klare Rolle und feste Ansprechperson in der Verwaltung. Kooperation auf Augenhöhe mit Schule und Kommune.
6
7
Verkehrssicherheitsbeauftragte, Präventionsteams
Die kommunale Verwaltung plant und realisiert sichere Schulwege, Radverkehrsinfrastruktur, ÖPNV-Angebote und Verkehrsberuhigung. Sie verfolgt strategische Ziele wie Klimaschutz, Vision Zero und Gesundheitsförderung. Entscheidend: Die Verwaltung ist gleichzeitig Auftraggeberin und Umsetzerin – und muss ämterübergreifend koordinieren.
Herr Lange (42), Mobilitätsplaner im Stadtplanungsamt, zuständig für Nahmobilität und Schulwege. Fachlich kompetent, aber häufig Einzelkämpfer zwischen Tiefbau, Ordnungsamt und Schulverwaltung. Kämpft mit Priorisierung, knappem Budget und politischer Unterstützung, die von Legislaturperiode zu Legislaturperiode schwankt. Braucht Argumente und Erfolgsbeispiele, um intern Verbündete zu gewinnen.
Rückmeldungen aus Schulen zur Wirksamkeit von Maßnahmen. Klare Entscheidungsprozesse und politische Rückendeckung. Ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen. Gute Praxisbeispiele aus anderen Kommunen.
7
9
Stadtplanung, Mobilitätsmanagement, Bauamt
Lehrkräfte sind die wichtigsten Multiplikator:innen im Schulalltag. Sie haben täglich direkten Kontakt zu Kindern und Eltern, können Mobilitätsbildung im Unterricht verankern und wirken durch ihr eigenes Verhalten als Vorbilder. Im Unterschied zur Schulleitung setzen sie um und inspirieren – sie entscheiden nicht über Strukturen, aber über den gelebten Alltag.
Frau Klein (35), Klassenlehrerin einer 3. Klasse, organisiert begeistert den „Zu-Fuß-zur-Schule“-Tag und kommt selbst mit dem Rad. Erlebt, wie sehr die Kinder Aktionen rund um den Schulweg genießen und wie viel lebendiger der Sachunterricht wird, wenn er an reale Mobilitätserfahrungen anknüpft. Braucht fertige, lehrplankompatible Unterrichtsmaterialien und die Rückendeckung der Schulleitung, um das Thema in den Schulalltag einzubetten. Reagiert am besten auf persönliche Ansprache und kollegialen Austausch.
Fertige, lehrplankompatible Unterrichtsmaterialien, die Mobilität in bestehende Fächer integrieren. Entlastung statt Zusatzaufgaben. Anerkennung des Engagements durch Schulleitung und Kollegium. Kollegialer Austausch und Fortbildungsangebote.
6
5
Lehrerkollegium, Arbeitsgruppen
Verkehrsbetriebe sind zentrale Partner für Erreichbarkeit, Taktung, Haltestellenlage und Sicherheitsgefühl im ÖPNV. Sie beeinflussen, ob der Bus eine echte Alternative zum Elterntaxi ist. Ihre Kommunikation (Fahrplanaushänge, Apps, Schülerticket-Infos) erreicht Eltern und Schüler:innen direkt.
Herr Reuter (50), Regionalleiter des ÖPNV-Anbieters, verantwortet Linienplanung und Betrieb für 25 Kommunen. Steht häufig in der Kritik wegen überfüllter Schulbusse und Verspätungen. Möchte Fahrplanwünsche berücksichtigen, ist aber durch Rahmenvorgaben des Aufgabenträgers und Wirtschaftlichkeit begrenzt. Braucht konkrete Rückmeldungen statt allgemeiner Beschwerden.
Strukturiertes Feedbacksystem aus Schulen und Verwaltung. Frühzeitige Integration in Schulwegeplanung. Daten zu Schülerströmen und Bedarfen.
4
7
ÖPNV-Beauftragte, Nahverkehrsplaner
Anwohner:innen erleben die Auswirkungen des Schulverkehrs unmittelbar. Sie können Maßnahmen kritisch oder unterstützend begleiten. Ihre Einbindung steigert Akzeptanz und kann zusätzliche soziale Kontrolle schaffen. Ihr Widerstand kann Maßnahmen erheblich verzögern.
Frau Kühn (62), Rentnerin, wohnt seit 30 Jahren gegenüber der Grundschule. Ist genervt vom morgendlichen Verkehrschaos und zugeparkten Gehwegen, freut sich aber über jede verkehrsberuhigende Maßnahme. Hat früher selbst Kinder an dieser Schule gehabt. Könnte eine starke Verbündete sein, wenn sie frühzeitig informiert und eingebunden wird – oder zur lautesten Kritikerin, wenn Maßnahmen über ihren Kopf hinweg beschlossen werden.
Frühzeitige, transparente Information über geplante Maßnahmen. Möglichkeit zur Beteiligung. Rücksichtnahme auf ihre Belange (Parken, Lärm, Zufahrt). Sichtbare Verbesserungen.
6
3
Stadtteilforen, Bürgerbeteiligung
Politische Entscheidungsträger:innen stellen Ressourcen bereit, fassen Grundsatzbeschlüsse und setzen durch öffentliche Positionierung soziale Normen. Ein Ratsbeschluss legitimiert das gesamte Mobilitätsmanagement und gibt der Verwaltung Handlungssicherheit. Ohne politischen Rückhalt bleibt das Thema ein freiwilliges Projekt.
Frau Sommer (48), Ratsmitglied (Grüne), Vorsitzende des Ausschusses für Mobilität und Umwelt. Engagiert sich für Mobilitätswende und Kinderschutz, sucht nach sichtbaren Erfolgen in ihrer Kommune, die sie vor der nächsten Wahl vorweisen kann. Reagiert auf Medienberichte und Bürgeranfragen. Braucht verdichtete Informationen und klare Kosten-Nutzen-Argumente, weil die Ratssitzung nur 3 Minuten Redezeit erlaubt.
Fachlich fundierte, verdichtete Konzepte (max. 2 Seiten). Sichtbare, kommunizierbare Erfolge. Mobilisierung öffentlicher Unterstützung. Positive Medienresonanz.
5
10
Ausschüsse, Ratsbeschlüsse, öffentliche Veranstaltungen
Unfallkassen unterstützen Schulen bei Unfallprävention, stellen Materialien bereit und fördern Projekte. Sie beraten zur Schulwegsicherung und Gefährdungsbeurteilung. Ihr Wissen und ihre Fördermöglichkeiten sind ein häufig unterschätzter Hebel – sowohl fachlich als auch finanziell.
Herr Heinemann (55), Präventionsberater bei der Unfallkasse NRW, besucht regelmäßig Schulen und gibt Empfehlungen zur Wegesicherung. Verfügt über Materialien und Fördertopfe, die oft nicht abgerufen werden, weil Schulen und Kommunen sie nicht kennen. Wünscht sich, früher eingebunden zu werden, statt nur nach Unfällen gerufen zu werden.
Frühe Einbindung in Planungsprozesse. Rückkopplung zur Wirksamkeit von Maßnahmen. Sichtbarkeit ihrer Angebote bei Schulen und Kommunen.
3
6
Schulträger, Präventionsberatung, Fachveranstaltungen
Mobilitätsmanager:innen sind die operativen Prozesssteuerer:innen des schulischen Mobilitätsmanagements. Sie koordinieren zwischen Ämtern, Schulen, Politik und externen Partnern. Sie entwickeln Konzepte, moderieren Arbeitsgruppen, organisieren Beteiligungsprozesse und sind verantwortlich für die gesamte Kommunikation. Häufig sind sie Einzelkämpfer:innen in der Verwaltung – mit viel Fachkompetenz, aber begrenzten Ressourcen und unklarer Weisungsbefugnis gegenüber anderen Ämtern.
Frau Yildiz (34), Mobilitätsmanagerin im Umweltamt einer Mittelstadt (80.000 Ew.), seit 2 Jahren im Amt. Studierte Verkehrsplanung, brennt für das Thema, muss aber ständig zwischen Schulverwaltung, Tiefbau, Ordnungsamt und Politik vermitteln. Fühlt sich oft als Einzelkämpferin, der die Fäden zusammenhält, aber keine formale Weisungsbefugnis hat. Braucht praxistaugliche Werkzeuge, kollegialen Austausch mit anderen Kommunen und das Gefühl, nicht allein zu sein. Ihre größte Herausforderung: alle Akteure bei der Stange halten, wenn die Anfangseuphorie nachlässt.
Praxistaugliche Kommunikationswerkzeuge und Vorlagen. Kollegialer Austausch mit anderen Kommunen. Klare Rollenklärung und Mandatierung innerhalb der Verwaltung. Politische Rückendeckung und ausreichende Ressourcen. Erfolgsbeispiele und Argumentationshilfen für interne Überzeugungsarbeit.
8
8
Fachveranstaltungen, interkommunale Netzwerke, Zukunftsnetz Mobilität NRW

Von der Analyse zur Kommunikation – Die Kommunikationsmatrix

Die Akteursstruktur beantwortet die Frage wer eingebunden werden muss. Die Kommunikationsmatrix beantwortet wie, wann und mit welcher Botschaft. Sie verbindet jede Zielgruppe mit konkreten Kommunikationsanlässen, Formaten, Zeitpunkten im Schuljahr und Prozessphasen des schulischen Mobilitätsmanagements.
Die Matrix nutzt das COM-B-Modell (Capability, Opportunity, Motivation) als übergreifenden Rahmen. Für Eltern und Schüler:innen werden die Motivationsfaktoren zusätzlich nach dem Matthies-Modell differenziert – weil hier individuelle Verhaltensänderung im Fokus steht.
→ Hintergründe zur theoretischen Einordnung: Kommunikation im schulischen Mobilitätsmanagement
Kommunikationsmatrix Schulisches Mobilitätsmanagement