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📋 Kommunikation im SMM – Praxisleitfaden

Ein umfassendes Arbeitswerkzeug für kommunale Mobilitätsmanager:innen
Dieses Konzept beschreibt das vollständige Kommunikationssystem für schulisches Mobilitätsmanagement – von der theoretischen Grundlage bis zum konkreten Werkzeug für jeden Anlass. Es richtet sich an Mobilitätsmanager:innen, die Kommunikation nicht dem Zufall überlassen wollen.
Kernaussage: Kommunikation ist kein Elternbrief. Kommunikation ist ein System.

Grundlagen der Kommunikation im SMM

1. Ausgangslage

Gute Mobilitätskonzepte scheitern selten an fehlenden Ideen – sondern an fehlender Kommunikation.
Drei typische Probleme:
  • Schulmobilitätskonzept in der Schublade – Materialien werden erstellt, aber nicht wirksam kommuniziert. Akteure fĂĽhlen sich zuständig, kennen ihre Handlungsmöglichkeiten nicht oder sind nicht motiviert (COM-B)
  • Elternbriefe ungelesen – Die richtige Botschaft zur falschen Zeit ĂĽber den falschen Kanal. Keine Verhaltensänderung.
  • Akteure arbeiten aneinander vorbei – Polizei, Schulen, Verwaltung und Verkehrsbetriebe agieren ohne hinreichende Abstimmung.
Die Lösung liegt nicht in mehr Kommunikation, sondern in besserer: zielgruppengerecht, zeitlich abgestimmt, mit klaren Zuständigkeiten und wiederverwendbaren Werkzeugen.

2. Der Ansatz: Drei Kommunikationsstränge

Das Kommunikationskonzept unterscheidet drei Stränge, die unterschiedliche Ziele verfolgen und unterschiedliche Werkzeuge benötigen:

Verhaltenskommunikation

Eltern und Kinder motivieren, Routinen verändern. Instrumente: Mobi-Logbuch, Sticker-System, Challenges, Freitags-Ritual, 0. Elternabend. → Vertiefung: 🧰 Kommunikationswerkzeuge – Wissensspeicher

Institutionelle Kommunikation

Schulen gewinnen, Politik überzeugen, Verwaltung koordinieren, Polizei und Verkehrsbetriebe einbinden. Instrumente: Erstgespräch, Beschlussvorlage, Factsheet, Steuerungsgruppe.

MaĂźnahmenkommunikation

SchulstraĂźen, Elternhaltestellen, Tempo-Zonen: Nachbarschaft mitnehmen, Eltern informieren, Akzeptanz sichern. Instrumente: Anwohner:innen-Brief, Informationsveranstaltung, Vor-Ort-Begleitung, Ergebnis-Kommunikation.

3. Theoretische Grundlagen

Die Kommunikationsstrategie verbindet zwei Modelle:

COM-B-Modell – Übergreifender Rahmen

FĂĽr jede Zielgruppe wird geprĂĽft:
  • Capability – Was muss die Person wissen oder können?
  • Opportunity – Welche Gelegenheiten und Strukturen braucht es?
  • Motivation – Was motiviert zur Veränderung?
Das COM-B-Modell strukturiert die Kommunikation für alle Akteursgruppen – von der Schulleitung bis zur Polizei.

Matthies-Modell – Vertiefung für Eltern & Schüler:innen

Für die individuelle Verhaltensänderung differenziert das Matthies-Modell die Motivationsfaktoren:
  • Problembewusstsein
  • VerantwortungsgefĂĽhl
  • Selbstwirksamkeit
  • Soziale Norm
  • Kosten-Nutzen-Abwägung
  • Emotionen
  • Gewohnheiten
Die Kombination beider Modelle stellt sicher, dass institutionelle Akteure ebenso systematisch adressiert werden wie individuelle Verhaltensänderungen. → Vertiefung: Wie treffen Eltern ihre Mobilitätsentscheidungen?

4. Akteursstruktur

Drei Ebenen mit zehn Akteursgruppen. Jede braucht eine andere Botschaft, ein anderes Format und eine andere Absenderin.
Entscheider:innen: Politik · Verwaltung · Schulleitung
Umsetzer:innen: Lehrkräfte · Polizei · Verkehrsbetriebe · Mobilitätsmanager:in · Verwaltung
Betroffene: Eltern · Schüler:innen · Anwohner:innen
Eine ausführliche Beschreibung aller Akteursgruppen mit Personas, Betroffenheit und Einfluss findet sich unter → Rollen und Akteursstruktur. Die konkrete Ausarbeitung je Zielgruppe findet sich in der → Kommunikationsmatrix.

Werkzeuge der Kommuniaktion

5. Werkzeuge fĂĽr SchĂĽler:innen

Fünf Bausteine, die sich fast von allein tragen. Das System ist so konzipiert, dass Lehrkräfte minimal belastet werden und Kinder zunehmend selbst Verantwortung übernehmen.
[H4] Mobi-Logbuch
Persönlicher Begleiter für Kl. 1–4. Drei Bestandteile:
  • "Das kann ich schon" – Kompetenz-Seiten mit steigendem Schwierigkeitsgrad ĂĽber die Klassenstufen. Abgeschlossene Module = Kompetenz-Sticker.
  • Challenges & Gamification – Wochen-Challenges aus der Ich-Perspektive. Schulweg-Bingo, Schrittzähler, Sticker-Vitrine.
  • Reflexion – "Was hat sich verändert?" Macht Fortschritt bewusst – fĂĽr das Kind und fĂĽr Eltern, die abends reinschauen.

Klassen-Logbuch

Steuerungsinstrument für das Freitags-Ritual. Enthält Erhebungsseiten, Challenge-Karten, Jahresfahrplan der Klasse. Gehört der Klasse, bleibt in der Schule.
[H4] Sticker-System
Drei Kategorien mit unterschiedlicher Wertigkeit:
  • Kompetenz-Sticker – FĂĽr abgeschlossene Bildungsmodule. 8–10 pro Jahr. Die wertvollsten.
  • Challenge-Sticker – FĂĽr Wochen-Challenges. Häufig, wechselnd, sammel- und tauschbar.
  • Milestone-Sticker – FĂĽr besondere Momente. Selten, groĂź, emotional. "Mein erster Schulweg alleine."
Gestaltung: Professionell illustriert, hochwertige Materialqualität (holografisch, Softtouch). Kein Clip-Art. Sammelstück-Charakter.
[H4] Klassen-Tracker
Board am Klasseneingang. Kinder setzen morgens ihren Magneten auf das Verkehrsmittel. Social Proof ohne Aufwand fĂĽr die Lehrkraft.
[H4] Freitags-Ritual
10 Minuten pro Woche. Fester Platz im Stundenplan.
  • Das Mobi-Team (2–3 Kinder, rotierend) fĂĽhrt das Ritual
  • Ablauf: Check-in → RĂĽckblick → Neue Challenge
  • Lehrkraft begleitet, steuert nicht

6. Werkzeuge fĂĽr Eltern

[H4] 0. Elternabend – Der wirksamste Moment im ganzen Jahr
15–20 Minuten im Rahmen des regulären Informationsabends für neue Eltern. Einzige Gelegenheit vor der Einschulung, bevor sich Auto-Routinen verfestigen.
Zeit
Baustein
Inhalt
Min. 1–5
Emotionaler Impuls
Standardpräsentation: "Was gewinnt ein Kind?" Kernbotschaft: "Ihr Kind kann das."
Min. 5–7
Ăśbergabe Material
Schulwegplan + Mobi-Logbuch als Set. Erste Aufgabe: 5Ă— Schulweg ĂĽben.
Min. 7–15
Schulweg-Matching
Tisch-Stationen nach Wohngebiet. Quartierskarten, Klebepunkte, Namenslisten.
Min. 15–17
Abschluss
Drei Dinge in der Hand: Plan, Logbuch, Name eines Nachbarn.
[H4] Quartierskarten
Laminierte Karten (DIN A2) des Schulumfelds in 4–6 Sektoren. Für das Schulweg-Matching am 0. Elternabend. Jährlich wiederverwendbar.
[H4] Schulweg-Buddys
Informelles Nachbarschafts-Matching. Aushang mit anonymisierter Karte. Digitale Variante möglich. Senkt die Hemmschwelle für unsichere Eltern.
[H4] Standardpräsentation
5 Folien, 5 Minuten. Emotional, wenig Text. FĂĽr Schulleitung sofort einsetzbar. Als editierbare Vorlage bereitgestellt.
[H4] Schulwegplan – Das zentrale Kommunikationsinstrument
Der Schulwegplan ist weit mehr als eine Karte mit empfohlenen Routen. Er ist das zentrale Informationsmedium für Eltern – ein Dokument, in dem alles steht, was Familien für den Schulweg ihres Kindes wissen müssen.
Was der Schulwegplan kommuniziert:
  • Bedeutung eigenständiger Schulwege fĂĽr das Kind – ein Gewinn fĂĽr alle
  • Empfohlene Routen – geprĂĽfte, sichere Wege zur Schule mit Querungshilfen, Ampeln und begleiteten Ăśbergängen
  • Gefahrenstellen – klar markierte Bereiche, an denen besondere Aufmerksamkeit nötig ist
  • Elternhaltestellen und SchulstraĂźen – wo Eltern halten können, wenn sie das Kind mit dem Auto bringen, und welche StraĂźen zu Schulzeiten gesperrt sind
  • Ă–PNV-Anbindung – relevante Haltestellen, Linien und Abfahrtszeiten fĂĽr den Schulweg
  • Schulweg-Buddys und Laufgemeinschaften – hinweise auf bestehende Nachbarschafts-Netzwerke und wie man sich anschlieĂźen kann
  • Ansprechpersonen – wer hilft bei Fragen zum Schulweg? Mobilitätsmanagerin, Schulleitung, Bezirksdienst der Polizei
  • Verhaltenstipps – altersgerechte Hinweise: Wie ĂĽbe ich den Schulweg? Ab wann kann mein Kind alleine gehen? Was tun bei Dunkelheit oder schlechtem Wetter?
Warum der Schulwegplan so wirksam ist:
Er erreicht Eltern in einem Moment, in dem sie offen für Information sind – vor der Einschulung oder zum Schuljahresbeginn. Er bündelt alle relevanten Informationen an einem Ort, statt sie über Elternbriefe, Aushänge und Webseiten zu verstreuen. Und er signalisiert: Die Schule und die Kommune haben sich Gedanken gemacht. Der Schulweg ist sicher.
Erstellung und Abstimmung:
Der Schulwegplan wird von der Mobilitätsmanagerin in Abstimmung mit Polizei (Verkehrssicherheitsberatung), Schulleitung und ggf. Elternvertretung erstellt. Die Polizei prüft die empfohlenen Routen auf Sicherheit. Der Plan wird jährlich aktualisiert und bei Änderungen im Schulumfeld (Baustellen, neue Maßnahmen) angepasst.
Ăśbergabemomente:
  • Am 0. Elternabend als Set mit Mobi-Logbuch
  • Zum Schuljahresbeginn im Elternbrief
  • Bei Schulwechsel (Klasse 5) in aktualisierter Version
  • Digital auf der Schulwebseite

7. Werkzeuge fĂĽr die Ansprache von Schulen

Der Kommunikationsprozess verläuft in drei Stufen. Die zentrale Botschaft: Wir liefern Lösungen, keine Aufgaben.
[H4] Stufe 1: Erstgespräch Schulleitung
Türöffner. 30–45 Min. Über die Situation vor der Schule einsteigen, nicht über Ziele der Kommune. Ergebnis: Zusage + Ansprechperson.
Werkzeuge: Zweiseiter · Gesprächsleitfaden · Beschlussvorlage Schulkonferenz
[H4] Stufe 2: Onboarding Lehrkräfte
"So funktioniert es, so starten Sie." 45–60 Min. mit Starter-Kit-Übergabe und Ritual-Simulation. Ergebnis: Lehrkraft fühlt sich sicher.
Werkzeuge: Starter-Kit · Kurzanleitung Freitags-Ritual · Klassen-Logbuch
[H4] Stufe 3: Laufende Begleitung
2–3 proaktive Kontakte pro Jahr. Check-in, Material-Nachschub, Jahresauswertung. Sichtbarkeit statt Kontrolle.
Werkzeuge: Jahresbericht an Schulleitung · Erhebungsdaten · Sticker-Nachschub
Ein besonders wirksamer Kanal für die laufende Begleitung ist die schulfachliche Beratung für Mobilitätsbildung. Diese Lehrkräfte sind von den Bezirksregierungen für genau diese Aufgabe abgeordnet und haben einen institutionellen Zugang zu Schulen, der über den einer kommunalen Mobilitätsmanagerin hinausgeht. Sie können als Multiplikator:innen wirken, Fortbildungen anbieten und die Integration von Mobilitätsbildung in den Schulalltag fachlich begleiten. Die Zusammenarbeit mit der schulfachlichen Beratung sollte frühzeitig aufgebaut werden – idealerweise bereits in Phase 1 (Erstgespräch), spätestens aber als fester Bestandteil der laufenden Begleitung.
[H4] Starter-Kit
Alles in einer Box, sofort einsetzbar:
  • Klassen-Logbuch (mit Jahresfahrplan)
  • Klassensatz Mobi-LogbĂĽcher (20–30 StĂĽck)
  • Challenge-Karten-Set (30–40 Karten)
  • Klassen-Tracker (Board + Magnete)
  • Sticker-Grundausstattung (fĂĽr ein Schuljahr)
  • Kurzanleitung Freitags-Ritual (laminiert, 1 Seite)
  • Kontaktkarte Mobilitätsmanagerin
Gestaltung: Hochwertige Verpackung, die Wertschätzung signalisiert. Kein Plastikbeutel mit losen Blättern.

8. Werkzeuge fĂĽr die Politik

Strategisches Framing

SMM wird nicht über Nachhaltigkeit oder Klimaschutz kommuniziert. Stattdessen über Werte, die durch alle politischen Lager tragen: Kindersicherheit · Selbstständigkeit · Ordnung im öffentlichen Raum · Gesundheitsförderung · Eigenverantwortung.
"SMM sorgt dafür, dass jeder investierte Euro wirkt – weil Infrastruktur und Verhaltensänderung zusammen gedacht werden."

Drei Stufen der politischen Kommunikation

  1. Problem sichtbar machen – Daten aufbereiten, Problembewusstsein schaffen, bevor ein Konzept vorgelegt wird.
  1. Lösung anbieten – Kompakter Sachstandsbericht oder Beschlussvorlage. So kurz, dass ein Ratsmitglied es in 5 Min. versteht.
  1. Erfolge zuschreibbar machen – Ergebnisse so aufbereiten, dass politische Vertreter:innen sie für ihre Kommunikation nutzen können.

Werkzeuge

  • Argumentationshilfe nach Lager – Internes Werkzeug: Kernargumente sortiert nach politischen Positionen. FĂĽr Fraktionsgespräche.
  • Factsheet "Sichere Schulwege" – Zweiseiter fĂĽr Ratsmitglieder. Problem, Lösung, Umsetzung – ohne Fachjargon.
  • Beschlussvorlage fĂĽr den Rat – Vorformulierter Text mit Beschlussvorschlag.
  • Erfolgs-Bericht nach Jahr 1 – Vorher-Nachher-Visualisierung, Zitate, Fotos.
  • Pressemitteilungs-Vorlage – Zwei Varianten: Start und Ergebnispräsentation.
  • Elterntaxi-Daten als Argument – Lokale Zahlen zu Verkehrschaos, Unfallrisiko, Bewegungsmangel.

9. Werkzeuge fĂĽr die kommunale Verwaltung

Schulisches Mobilitätsmanagement ist eine Querschnittsaufgabe ohne Weisungsbefugnis. Die Mobilitätsmanagerin ist die Klammer.

Relevante Ämter

Amt
Rolle
Tiefbauamt
Bauliche MaĂźnahmen (Querungen, SchulstraĂźen, Radwege)
Stadtplanung
Schulwegpläne, Verkehrskonzepte, GIS-Daten
Schulverwaltung
Zugang zu Schulen, Schulkonferenzen, Haushaltsmittel
Ordnungsamt
Kontrolle Elterntaxis, Halteverbote, SchulstraĂźen
Straßenverkehrsbehörde
Anordnungen: Tempo 30, Zebrastreifen, Beschilderung
Ă–ffentlichkeitsarbeit
Branding, Pressearbeit, Social Media
Unfallkommission
Gefahrstellenanalyse, MaĂźnahmenpriorisierung
FĂĽr jedes Amt existiert ein einseitiges Aufgabenprofil: Was erwarten wir? Was liefern wir?

Steuerungsgruppe

Regelmäßiges Abstimmungsgremium aller Ämter, 2–4× pro Jahr. Ablauf: Sachstand → Aktuelle Daten → Offene Maßnahmen → Nächste Schritte. Erfolgsfaktor: Rückendeckung von oben – Beschluss oder Anweisung der Verwaltungsspitze.

MaĂźnahmen-Steckbrief

Standardisiertes Format für jede Infrastruktur- oder Organisationsmaßnahme: Was genau? (mit Kartenausschnitt), Warum? (Daten), Priorität, Zuständigkeit, Status. Stellt sicher, dass nichts als "mündliche Anfrage" versandet.

10. Werkzeuge fĂĽr Verkehrsbetriebe

Schüler:innen sind die Fahrgäste von morgen. Wer als Kind schlechte ÖPNV-Erfahrungen macht, steigt mit dem Führerschein aufs Auto um und kommt als Kunde oft nie zurück.
  • Busschultraining – 45–60 Min. pro Klasse. Sicheres Verhalten, toter Winkel, Notbremsung. Eingebettet in Mobi-Logbuch + Sticker.
  • Kooperationsvereinbarung – Schriftliche Absichtserklärung: Was bringt der Betrieb ein (Trainings, Freifahrten), was die Kommune (Daten, Schulkontakte).
  • Datenblatt SchĂĽlerverkehr – Pro Schule: Unterrichtszeiten, Verkehrsmittelwahl, Linien, Engpässe.
  • Feedback-Kanal – Mobilitätsmanagerin als Clearingstelle. GebĂĽndelte RĂĽckmeldungen statt Einzelbeschwerden.

11. Werkzeuge fĂĽr die Polizei

Grundprinzip: Frühe Einbindung als Mitgestalterin, nicht nachträgliche Information. Die Polizei hat jahrzehntelange Erfahrung – SMM baut darauf auf.

Drei Adressaten innerhalb der Polizei

  • Bezirksdienst – Kennt das Quartier. Bordsteintraining, Präsenz am 0. Elternabend. Einbindung: ĂĽber die Schule.
  • Verkehrssicherheitsberater:innen – Radfahrausbildung Kl. 3/4, Beratung Schulwegsicherheit. Einbindung: ĂĽber die Steuerungsgruppe.
  • Direktion Verkehr – Unfallanalysen, Unfalldaten. Harte Daten fĂĽr Priorisierung und Politik. Einbindung: ĂĽber Steuerungsgruppe + Unfallkommission.

Werkzeuge

  • Gemeinsame Schulwegbegehung – 60–90 Min. mit Bezirksdienst, Schulleitung, ggf. Eltern. Ergebnis: Begehungsprotokoll → MaĂźnahmen-Steckbriefe.
  • Bordsteintraining – Einbettung – Polizei fĂĽhrt durch, SMM bettet ein: Vorbereitung im Mobi-Logbuch, Kompetenz-Sticker danach.
  • Radfahrausbildung – Abstimmung – SMM ergänzt vor/nach der PrĂĽfung: Logbuch-Vorbereitung, wertvollster Sticker, Folge-Challenges.
  • Polizei am 0. Elternabend – 3–5 Min. Vertrauen schaffen: "Ich kĂĽmmere mich um die Sicherheit rund um diese Schule."
  • Checkliste Schulwegsicherheit – Standardisierte PrĂĽfliste fĂĽr den Bezirksdienst. Gemeinsam mit der Polizei entwickelt.

12. MaĂźnahmenkommunikation

Wenn sich der öffentliche Raum verändert, betrifft das Menschen, die nicht gefragt wurden. Die Kommunikation muss vor der Maßnahme beginnen.

Drei Phasen

Phase 1 – Ankündigung (4–8 Wochen vorher)
Anwohner:innen-Brief (persönlich zugestellt) · Eltern-Information über Schulleitung · Bei großen Maßnahmen: Informationsveranstaltung
Phase 2 – Begleitung (Erste 2 Wochen)
Physische Präsenz vor Ort · Fragen beantworten, Konflikte deeskalieren · Beobachtungen dokumentieren, Feedback sammeln
Phase 3 – Verstetigung (Ab Woche 4–6)
Ergebnis-Kommunikation an alle Zielgruppen · Anpassungen transparent kommunizieren · Von Rechtfertigung zum Erfolgsnachweis wechseln

Zwei Zielgruppen – zwei unterschiedliche Sorgen

Anwohner:innen: "Warum ausgerechnet vor meiner HaustĂĽr?"
  • FrĂĽh informieren – vor GerĂĽchten
  • Konkret erklären – was, wann, wie lange
  • Betroffenheit ernst nehmen
  • Alternativen aufzeigen
  • Feedback-Kanal + Ansprechperson benennen
Eltern: "Was ändert sich für mich und mein Kind?"
  • Nutzen konkret machen (sicherer, weil…)
  • Umstellung erleichtern ("So geht es ab Montag")
  • Soziale Norm aktivieren (Mehrheit begrĂĽĂźt es)
  • Praktische Fragen beantworten (Wo halte ich jetzt?)
  • Positiv framen – Chancen statt Verbote

Kommunikationspaket nach MaĂźnahmentyp

MaĂźnahme
Anwohner-Brief
Info-Veranstaltung
Eltern-Info
Vor-Ort-Begleitung
Ergebnis-Komm.
SchulstraĂźe
Pflicht
Empfohlen
Pflicht
Pflicht
Pflicht
Elternhaltestelle
Empfohlen
–
Pflicht
Empfohlen
Empfohlen
Tempo-30-Zone
Pflicht
Bei groĂźfl.
Empfohlen
–
Empfohlen
Halteverbot
Pflicht
–
Pflicht
Empfohlen
Optional
Bauliche MaĂźn.
Pflicht
Empfohlen
Empfohlen
Bauphase
Empfohlen

13. Jahresfahrplan Kommunikation

Kommunikation folgt dem Rhythmus des Schuljahres. Jede Phase bietet spezifische Anlässe.

Januar bis Juni: Vorbereitung und Anbahnung

Monat
Anlass
Aktivität
Januar
Startgespräche
Erstgespräche mit Schulleitungen
März/April
Workshop + Begehung
Schulwegbegehung mit Polizei, Workshop mit Schulgemeinschaft
Mai
Schulwegplan
Finalisierung, Polizei prĂĽft, Druck
Mai/Juni
0. Elternabend
DER wirksamste Moment. Präsentation, Matching, Material-Übergabe
Sommerferien
Ferien-Challenge
"5Ă— Schulweg ĂĽben." Mobi-Logbuch + Erinnerung
März–Juni
Radfahrausbildung
Polizei fĂĽhrt durch, SMM bettet ein. Logbuch + Sticker
Juni/Juli
Evaluation & Feier
wiederkehrende Jahresauswertung, Vorher-Nachher, Erfolgs-Bericht an Politik und Presse

August bis Dezember: Umsetzung und Sichtbarkeit

Monat
Anlass
Aktivität
Aug./Sept.
Schuljahresbeginn
Elternbrief, Schulwegtraining, Bordsteintraining, Start Freitags-Ritual
September
Mobilitätswoche
Europäische Mobilitätswoche + Zu-Fuß-zur-Schule-Tag
Okt./Nov.
Sichtbarkeit & Herbst
Reflektoren-Aktion, Elternbrief Dunkelheit, "Leuchtmonster"-Challenge
Nov./Dez.
Tag der offenen TĂĽr
Weiterführende Schulen: ÖPNV + neue Schulwege für Viertklässler
Der Jahresfahrplan ist ein Menü, nicht ein Pflichtprogramm. Die Priorisierung hängt von Schulsituation und lokalen Gegebenheiten ab.
→ Die konkreten Kommunikationsanlässe mit Botschaften, Formaten und Absender:innen sind in der Kommunikationsmatrix ausgearbeitet.

14. Kommunikationsmatrix

24 Szenarien. 11 Akteursgruppen. FĂĽr jeden Anlass die richtige Botschaft.
Die Kommunikationsmatrix ist das operative HerzstĂĽck des Konzepts. Sie beantwortet fĂĽr jede konkrete Situation:
Frage
Inhalt
Wer wird angesprochen?
Zielgruppe mit Persona und Kontext
Was ist die Kernbotschaft?
COM-B-basiert und Matthies-informiert
Ăśber welchen Kanal?
Brief, Gespräch, Aushang, Digital, Presse
Zu welchem Zeitpunkt?
VerknĂĽpft mit dem Jahresfahrplan
Wer ist Absender:in?
Schulleitung, Mobilitätsmanagerin, Polizei, Kommune
Die Matrix ist als Notion-Datenbank angelegt und kann nach Zielgruppe, Phase und Anlass gefiltert werden.

16. Das System auf einen Blick

2 Modelle – COM-B + Matthies als theoretisches Fundament
3 Stränge – Verhalten · Institution · Maßnahme
10 Akteursgruppen – Von Politik bis Anwohner:innen
40+ Werkzeuge – Vom Sticker bis zur Beschlussvorlage
12-Monats-Taktung – Jahresfahrplan mit Kommunikationsanlässen
24 Szenarien – Kommunikationsmatrix als Nachschlagewerk

17. Nächste Schritte

  1. Workshop durchführen – 120 Min. mit dem Team: Vom Konzept zum eigenen Kommunikationsplan
  1. Materialien produzieren – Mobi-Logbuch, Sticker, Starter-Kit, Quartierskarten, Standardpräsentation
  1. Erste Schulen gewinnen – Erstgespräche mit 3–5 Schulleitungen. Mit Zweiseiter und Beschlussvorlage
  1. Steuerungsgruppe einrichten – Ämter, Polizei und Verkehrsbetrieb an einen Tisch. Mandat der Verwaltungsspitze sichern
  1. 0. Elternabend vorbereiten – Der wirksamste Moment: Bevor sich die Auto-Routinen verfestigen
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