Verhaltenspsychologische Grundlagen, Akteure, Strategien & Instrumente
Wirksames schulisches Mobilitätsmanagement beruht weniger auf einzelnen Maßnahmen als auf einer funktionierenden Zusammenarbeit aller beteiligten Akteursgruppen und auf dem Verständnis, wie Menschen Mobilitätsentscheidungen treffen. Entscheidend ist, dass Ziele, Maßnahmen und Zuständigkeiten vermittelt, verstanden und aktiv unterstützt werden.
Diese Seite beschreibt die verhaltenspsychologischen Grundlagen, die Beziehungen zwischen Akteursgruppen, strategische Ansätze und konkrete Instrumente für eine erfolgreiche Kommunikation im schulischen Mobilitätsmanagement.
1. Warum Kommunikation zentral ist
Mobilität entsteht im Zusammenspiel verschiedener Systeme: Verwaltung, Schule, Elternhaus, Verkehrsbetriebe, Politik und Polizei. Ohne Abstimmung entstehen Zielkonflikte; mit klarer Kommunikation entstehen Verständnis, Verlässlichkeit und Handlungssicherheit.
Kommunikation sorgt dafür, dass:
- das Schulmobilitätskonzept alle Akteure erreicht
- Maßnahmen bekannt sind und umgesetzt werden
- die Umsetzung sichtbar bleibt
- Wirksamkeit und notwendige Anpassungen transparent kommuniziert werden.
Dabei gilt: Gute Mobilitätskonzepte scheitern selten an fehlenden Ideen, sondern an fehlender Kommunikation. Erst wenn alle Akteur:innen wissen, was geplant ist, was passiert und wie sie selbst beitragen können, entsteht eine kommunale Mobilitätskultur, die Kinder und Jugendliche nachhaltig stärkt.
2. Verhaltenspsychologische Grundlagen
Ein wesentlicher Aspekt der Kommunikation ist die erwünschte Veränderung bisherigen Verhaltens zugunsten sicherer, eigenständiger und nachhaltiger Mobilität. Um Zielgruppen diese Veränderung zu erleichtern, werden in der Kommunikation Theorien und Modelle der Umweltpsychologie angewandt.
Das verhaltenspsychologische Modell
Das angewandte Modell ist eine Erweiterung des integrativen Einflussschemas umweltgerechten Alltagshandelns von Ellen Matthies und vereint die Theorie des geplanten Verhaltens mit dem Norm-Aktivations-Modell.
Das Modell geht davon aus, dass folgende Faktoren unser Handeln maßgeblich beeinflussen:
- Problembewusstsein (Wissen über die Situation und die Folgen)
- Werteverständnis (persönliche Überzeugungen)
- Selbstwirksamkeit (Vertrauen in eigene Fähigkeitenkeiten)
- Soziale Normen (Einflüsse von außen)
- Kosten-Nutzen-Abwägung (Aufwände und Erträge)
- Emotionen (positive und negative Gefühle)
- Gewohnheiten (eingeübte Verhaltensmuster)
Um nachhaltig sichere, eigenständige und nachhaltige Mobilität zu fördern, müssen alle Einflüsse auf allen Ebenen der Kommunikation berücksichtigt werden.
Beispiel: Verstehen Eltern, dass es besser wäre, das Kind zu Fuß gehen zu lassen (Problembewusstsein), aber sie halten den Schulweg für zu gefährlich (fehlende Selbstwirksamkeit), wird das Kind weiterhin gefahren. Erst wenn den Eltern verdeutlicht werden kann, dass der Schulweg sicher ist, werden sie den eigenständigen Schulweg in Betracht ziehen.
2.1 Soziale Normen – Der Einfluss der Anderen
Soziale Normen sind Regeln und Standards, die von vielen Menschen geteilt werden und das Verhalten Einzelner lenken. Sie zeigen an, wie man sich in einer bestimmten Situation verhalten sollte.
Arten sozialer Normen:
- Subjektive Norm: Annahmen über Erwartungen bedeutsamer Personen (z.B. Nachbarsfamilie fährt Kinder zur Schule → Adaption dieses Verhaltens)
- Deskriptive Norm: Tatsächlich verbreitetes Verhalten (z.B. viele Elterntaxis vor der Schule)
- Injunktive Norm (Soll-Norm): Moralische Regeln, die beschreiben, was man tun sollte
Wichtigste Aufgabe: Auf allen Akteursebenen klare Kante zeigen und auf die Förderung sicherer, eigenständiger und nachhaltiger Mobilität beharren. Immer mehr Eltern dazu bewegen, auf das Auto für den Schulweg zu verzichten.
Kommunikationsgrundsatz: Sprechen sich viele Menschen positiv für sichere, eigenständige und nachhaltige Mobilität aus (Soll-Norm) oder verhalten sie sich entsprechend (Ist-Norm), sollten diese Meinungen und Verhaltensweisen hervorgehoben werden.
Praktische Umsetzung:
1. Warum Kommunikation zentral ist2. Verhaltenspsychologische GrundlagenDas verhaltenspsychologische Modell2.1 Soziale Normen – Der Einfluss der Anderen2.2 Persönliche Normen – Der innere Kompass2.3 Kosten-Nutzen-Abwägung – Hürden und Sprungbretter2.4 Emotionen – Gefühle im Fokus2.5 Gewohnheiten – Alte Muster durchbrechen2.6 Abwägungsprozess und Intention – Anlauf nehmen3. Beziehungen zwischen den AkteursgruppenVerwaltung ↔ SchuleSchulamt ↔ SchulenVerkehrsplanung/Tiefbau ↔ StraßenverkehrsbehördeVerwaltung ↔ PolitikSchulen ↔ ElternVerwaltung ↔ VerkehrsbetriebeSchule & Verwaltung ↔ Polizei4. Elemente einer kommunalen Mobilitätsstrategie4.1 Gemeinsames Leitbild & Claim4.2 Zielgruppenorientierte Ansprache4.3 Transparenz über Maßnahmen4.4 Schulwegpläne als Kommunikationsinstrument4.5 Kontinuierliche Ansprache statt Einzelaktionen4.6 Rückkopplung & Feedback5. Kommunikationsinstrumente im Überblick5.1 Für die Schule5.2 Für die Verwaltung5.3 Für Eltern & Öffentlichkeit5.4 Für Politik & Entscheidungsträger6. Kommunikation auf kommunaler EbeneSoziale Normen kommunizierenProblembewusstsein und Verantwortung schaffenSelbstwirksamkeit ermöglichenKosten und Nutzen kommunizieren7. Kommunikation auf schulischer EbeneSoziale Normen etablierenProblembewusstsein vermittelnSelbstwirksamkeit erfahrbar machenAnreize schaffen und Kosten aufzeigenEmotionen positiv nutzenGewohnheiten durchbrechen8. Sicherstellen, dass alle Akteure informiert sind8.1 Das Konzept erreicht alle8.2 Maßnahmen werden verstanden und umgesetzt8.3 Umsetzung sichtbar machen8.4 Wirksamkeit und Anpassungen kommunizieren9. Kommunikation mit Schulen und Kitas in der NachbarschaftEinbeziehung von KitasEinbeziehung von Nachbarschulen10. Schema der KommunikationFazit
- Vorbildrolle einnehmen
- Minderheiteneinfluss nutzen
- Soll- und Ist-Normen gekonnt einbeziehen
- Regelmäßige Erhebung und Veröffentlichung der Verkehrsmittelwahl (z.B. mit Verkehrszähmer-Programm)
2.2 Persönliche Normen – Der innere Kompass
Die persönliche ökologische Norm ist die erlebte persönliche Verpflichtung, sichere, eigenständige und nachhaltige Mobilität zu fördern. Sie wird durch drei Faktoren aktiviert:
Das Wissen über die Mobilitätsbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen. Mangelndes Problembewusstsein ist auf allen Ebenen zu beobachten: bei der Infrastrukturplanung, in der Verkehrserziehung und bei der Verkehrsmittelwahl der Eltern.
Kommunikationsstrategie: Vermittlung von Problemwissen – Information über die Probleme aktueller schulischer Mobilität und Herausstellen der Bedeutung sicherer, eigenständiger und nachhaltiger Schulwege.
Faktoren für erfolgreiche Wissensvermittlung:
- Aufmerksamkeit erzeugen
- Zielgruppe persönlich involvieren
- Bildhaft, verständlich und ehrlich kommunizieren
- Gerüchte und falsche Behauptungen widerlegen
- Nur in Kombination mit weiteren Maßnahmen einsetzen
Ein starkes Verantwortungsgefühl entsteht, wenn bewusst ist, dass das eigene Verhalten Kindern schadet und für die Lösung relevant ist. Probleme werden sich selbst zugeschrieben, nicht anderen (Verwaltung, Schule, etc.).
Kommunikationsstrategie: Schaffung eines Werteverständnisses und Selbstreflexion. Vereinbarung von Zielen und Selbstverpflichtung aller Teile der Schulgemeinschaft.
Regeln für wirksame Selbstverpflichtung:
- Aufgeschrieben ist besser als mündlich
- Öffentlich ist besser als privat
- Freiwillig ist besser als unfreiwillig
- Kombination mit Informationen über Gründe ist sinnvoll
Die Gewissheit, eine Anforderung mit den eigenen Fähigkeiten (oder denen des Kindes) meistern zu können – "Ich werde es schaffen". Wichtig ist das Handlungswissen über Handlungsmöglichkeiten im jeweiligen Kontext.
Kommunikationsstrategien:
- Handlungsoptionen und ihre Effektivität aufzeigen
- Training von Kompetenzen
- Schaffung von Mobilitätsoptionen
- Handlungen durch die Situation erleichtern (z.B. Verbesserung der Verkehrssicherheit)
- Feedback durch Evaluation geben
Tipps zur Vermittlung von Handlungswissen:
- Relevanz und Nützlichkeit betonen
- Positiv-/Negativbeispiele nutzen
- Einfache Verhaltensweisen vorschlagen
- Vorwissen nutzen
- Übertragbarkeit fördern
- Spezifisch auf Handlungskontext zugeschnittene Infos
Wichtigste Aufgabe: Auf allen Ebenen Problembewusstsein schaffen und Selbstwirksamkeit erfahrbar machen.
2.3 Kosten-Nutzen-Abwägung – Hürden und Sprungbretter
Bei der Abwägung beschränken wir uns oft auf monetäre Kosten. Umwelt-, Gesundheits- oder Entwicklungskosten bleiben unberücksichtigt.
Beispiele versteckter Kosten:
- Kind bewegt sich zu wenig → Entwicklungsdefizite, Übergewicht, fehlende Motorik
- Keine eigenen Mobilitätserfahrungen → geringe Verkehrskompetenz, fehlende Orientierung
- Zeitargument täuscht → Langfristig mehr Fahraufwand zu allen Aktivitäten
Kommunikationsgrundsatz: Die stärksten Motive liegen in erwarteter Verbesserung (Belohnung) und Vermeidung negativer Auswirkungen (Bestrafung).
Tipps zu Belohnung und Bestrafung:
- Belohnung ist wirksamer als Bestrafung
- Anreize sollten zeitnah sein
- Anreize sollten groß genug, aber nicht zu groß sein
- Vorsicht bei Entfernung von Belohnung
- Appelle an egoistisches Verhalten vermeiden
Kosten-Nutzen-Tabelle (Auswahl):
Kosten | Nutzen | Wie wird der Nutzen generiert? |
Zeitbudget für Begleitung | Gewonnene Zeit bei Eigenständigkeit | Kind beherrscht Schulweg alleine/gemeinsam |
Fahrtkosten Auto | Vermiedene Fahrkosten | Eigenständige Mobilität, Schulweggemeinschaften |
Bewegungsdefizit/Übergewicht | Kind ist fit durch eigenen Schulweg | Eigenständiger Schulweg, Elternhaltestellen |
Sozialer Austausch erst im Klassenraum | Sozialer Austausch auf dem Schulweg | Schulweggemeinschaften |
Kind kennt Umfeld nicht | Kind kann sich orientieren, entwickelt Bezug zum Lebensraum | Sicheres Verhalten im Straßenverkehr |
Umwelt-/Klimabelastung durch Auto | Beitrag zum Klimaschutz | Mobilitätsoptionen schaffen |
Unsicherer Schulweg durch Elterntaxis | Weniger Elterntaxis = sicherer | Eigenständiger Schulweg, Elternhaltestellen |
Wichtigste Aufgabe: Wahre Kosten aufdecken und den Nutzen hervorheben.
2.4 Emotionen – Gefühle im Fokus
Schulwege stehen oft in Zusammenhang mit negativen Emotionen: Angst vor Verkehr, vor Übergriffen, mangelndes Zutrauen in Fähigkeiten des Kindes.
Negative Emotionen können entstehen durch:
- Hohes Verkehrsaufkommen/viele Elterntaxis
- Kein Vertrauen in Fähigkeiten des Kindes
- Unzureichende Beleuchtung
- Schwierige Verkehrssituationen
- Schlechte Infrastruktur
- Kontrollverlust
Positive Emotionen entstehen durch:
- Unterstützung und Anerkennung in Peer-Group/Klasse/Schule
- Beispiele des Gelingens
- Stolzes, ausgeglichenes, zufriedenes Kind
- Gute Leistungen
- Mehr gemeinsame Zeit
Wichtig: Kinder verbinden meist positive Gefühle mit dem Schulweg – Freude über sozialen Kontakt, Stolz über Bewältigtes. Kinder spüren fehlendes Zutrauen und entwickeln dadurch selbst kein Selbstvertrauen.
Wichtigste Aufgabe: Negative in positive Gefühle umkehren und Schulweg nur noch mit positiven Gefühlen verbinden.
2.5 Gewohnheiten – Alte Muster durchbrechen
35-53% unserer Verhaltensweisen sind Gewohnheiten. Sie sind über Jahre erworbene Verhaltensskripte, die mit Situationshinweisen verknüpft sind. Gewohnheiten beeinflussen die Aktivierung von Normen und die Verhaltenskosten (gewohnt = bequem, Änderung kostet Energie).
Kommunikationsgrundsatz: Werden Gewohnheiten kurzzeitig durchbrochen (z.B. durch kritische Lebensereignisse wie Schulwechsel, Umzug), ist die Zeit günstig für neue Handlungsalternativen.
Praktische Ansätze:
- Schulwechsel als Gelegenheit nutzen (Grundschule, weiterführende Schule)
- Anreize und Restriktionen einsetzen
- Selbstverpflichtung nutzen
- Prompts (Erinnerungshilfen) einsetzen – im Schnitt 60+ Tage nötig für neue Gewohnheiten
Beispiele für Erinnerungshilfen:
- Schlüsselanhänger (z.B. aus alten Fahrradschläuchen)
- Butterbrotdosen mit Aufklebern
- WhatsApp-Nachrichten
- Aufkleber aus Verkehrszähmer-Programm
- Türanhänger
- Banner an der Schule
- Schlüsselbrett mit Message
Wichtigste Aufgabe: Antrainierte Verhaltensmuster nicht nachhaltiger Mobilität aufbrechen und neue Gewohnheiten etablieren, insbesondere in Umbruchsituationen.
2.6 Abwägungsprozess und Intention – Anlauf nehmen
Um bewusst Verhalten zu regulieren, ist aufmerksames und reflektiertes Handeln erforderlich – das kostet Energie (Verhaltenskosten). Daher sollte die sichere und nachhaltige Mobilitätsentscheidung leicht gemacht werden.
Beispielfragen aus dem Abwägungsprozess:
- Welcher ist der beste Schulweg zu Fuß?
- Wie lernt mein Kind am sichersten Radfahren?
- Gibt es jemanden, der mir hilft oder das gemeinsam organisiert?
Wichtigste Aufgabe: Mit einem Kommunikationskonzept allen Akteuren zielgruppenspezifisch Informationen über Problemlage, Ziele, Erwartungen, Kosten und Nutzen zur Verfügung stellen sowie Handlungsoptionen eröffnen.
Wichtig: Nur das Zusammenwirken aller Kommunikationsbausteine führt dauerhaft zum Erfolg.
3. Beziehungen zwischen den Akteursgruppen
Erfolgreiche Kommunikation erfordert Verständnis der Beziehungen und Abstimmungswege:
Verwaltung ↔ Schule
- Verwaltung setzt strukturelle, rechtliche und bauliche Maßnahmen um
- Schulen bringen pädagogische und organisatorische Perspektiven ein
- Regelmäßige Abstimmung (Jour fixe, Projektteam) ist entscheidend
Schulamt ↔ Schulen
- Schulamt berät schulfachlich und sorgt für Unterrichts- und Aktionsqualität
- Schulen geben Rückmeldungen aus dem Alltag
Verkehrsplanung/Tiefbau ↔ Straßenverkehrsbehörde
- Planung entwickelt Lösungen → Behörde setzt rechtlich um
- Tiefbau realisiert bauliche Maßnahmen
- Gemeinsame Entscheidungswege vermeiden Verzögerungen
Verwaltung ↔ Politik
- Politik trifft Grundsatz- und Budgetentscheidungen
- Verwaltung kommuniziert Ziele, Notwendigkeiten und Effekte
Schulen ↔ Eltern
- Eltern beeinflussen die tatsächliche Verkehrssituation unmittelbar
- Schulen vermitteln Regeln, Maßnahmen, Angebote und Bildungsaspekte
Verwaltung ↔ Verkehrsbetriebe
- Abstimmung zu Linienführungen, Haltestellen, Schülerbeförderung
Schule & Verwaltung ↔ Polizei
- Beratung zu Sicherheit, Querungsstellen, Verkehrsregelung, Aktionstagen
4. Elemente einer kommunalen Mobilitätsstrategie
Eine wirksame Strategie sollte folgende Bausteine enthalten:
4.1 Gemeinsames Leitbild & Claim
Ein klarer, motivierender Claim schafft Identität, Wiedererkennbarkeit und Anschlussfähigkeit.
Beispiele:
- "Sicher. Selbstständig. Unterwegs."
- "Wir laufen das gemeinsam."
Ein konsistentes visuelles Erscheinungsbild stärkt die Wahrnehmung im Stadtbild.
4.2 Zielgruppenorientierte Ansprache
Verschiedene Gruppen benötigen unterschiedliche Botschaften:
- Eltern: Sicherheit, Entlastung, Orientierung (Schulwegpläne)
- Schüler:innen: Selbstständigkeit, Spaß, Kompetenzgewinn
- Lehrkräfte: Lehrmaterialien, Organisation, Unterrichtsunterstützung
- Verwaltung/Politik: Nutzen, Wirksamkeit, Kosten-Nutzen-Argumentation
- ÖPNV/Verkehrsbetriebe: Angebotsanpassungen, Schnittstellen
4.3 Transparenz über Maßnahmen
Transparenz nimmt Unsicherheit, erhöht Akzeptanz und verringert Widerstände.
Umfasst:
- Darstellung aller geplanten Maßnahmen (digital + gedruckt)
- Offene Kommunikation zu Zeitplänen und Umsetzungsschritten
- Sichtbare Informationskanäle (Website, Newsletter, Aushänge, Social Media)
4.4 Schulwegpläne als Kommunikationsinstrument
Schulwegpläne eignen sich hervorragend, um:
- Sichere Routen zu visualisieren
- Maßnahmen im Umfeld darzustellen
- Eltern Orientierung zu ermöglichen
- Transparenz für Politik und Verwaltung zu schaffen
4.5 Kontinuierliche Ansprache statt Einzelaktionen
Kommunikation sollte sich über das ganze Schuljahr verteilen:
- Startinfos zu Schuljahresbeginn
- Herbst- und Frühjahrsaktionen (Licht, Wetter, Sichtbarkeit)
- Begleitung der Fahrradtrainings
- Updates zur Umsetzung baulicher Maßnahmen
- Regelmäßige Erfolgsgeschichten ("Was hat sich verbessert?")
4.6 Rückkopplung & Feedback
Feedbackformate schaffen Beteiligung und ermöglichen Nachsteuerung:
- Digitale Meldestellen für Gefahrenstellen
- Workshops mit Eltern & Kindern
- Lehrer:innenrunden
- Austausch zwischen Verwaltung & Schulleitungen
- Einfache Umfragen zu Wirksamkeit und Zufriedenheit
5. Kommunikationsinstrumente im Überblick
5.1 Für die Schule
- Elternbriefe, Newsletter
- Aushänge und Infowände (Schulwegpläne, Aktionskalender)
- Elternabende mit Mobilitätsschwerpunkt
- Klassengespräche, Projektwochen
5.2 Für die Verwaltung
- Projektwebsite / Informationsplattform
- Gremienvorlagen, Sachstandsberichte
- Kartenportale mit Maßnahmenüberblick
- Pressearbeit und Social Media
5.3 Für Eltern & Öffentlichkeit
- Schulwegpläne
- Flyer zu einzelnen Maßnahmen (z.B. Schulstraße, Elternhaltestellen)
- Kurzvideos oder Social-Media-Posts
- Infoformate im Quartier (Aushänge, Ortsbegehungen)
5.4 Für Politik & Entscheidungsträger
- Verdichtete Berichte
- Maßnahmensteckbriefe
- Visualisierungen (Vorher–Nachher, Karten)
- Kurzpräsentationen zur Beschlussfassung
6. Kommunikation auf kommunaler Ebene
Soziale Normen kommunizieren
Vorgehen:
- Beschlussvorlage im Beteiligungsverfahren und Ratsbeschluss
- Kommunikation des Beschlusses über Presse, Social Media und Internet
- Einbeziehung der Pressestelle oder des Bürgermeis terbüros
Problembewusstsein und Verantwortung schaffen
Inhalte:
- Information über Problemlage auf Grundlage von Analysen
- Aufzeigen der Bedeutung kind- und jugendgerechter Mobilität
- Verdeutlichung der Rolle der Kommune
Selbstwirksamkeit ermöglichen
Schwerpunkte:
- Schaffung von Mobilitätsoptionen (Infrastruktur)
- Verbesserung der Verkehrssicherheit durch kindgerechte Planung
- Fortbildung für Planer:innen zur kind- und jugendgerechten Gestaltung
- Reflexion von Zielen und Maßnahmen durch Wiedervorlage von Beschlüssen
- Regelmäßige Evaluation von Zielen, Maßnahmen und Mobilitätsverhalten
Kosten und Nutzen kommunizieren
Effekte und Nebeneffekte herausstellen:
- Vision Zero
- Klimaschutz
- Lärmschutz
- Luftreinhaltung
- Senken der Verkehrsstärke
- Gesundheitsförderung / Salutogenese
Mobilitätsoptionen kommunizieren:
- Fahrradabstellanlagen
- Mobilitätsstationen
- Bike-Sharing
- Elternhaltestellen
- Bus- und Bahn-Angebote
- Fahrradreparaturangebote
7. Kommunikation auf schulischer Ebene
Soziale Normen etablieren
Vorgehen:
- Beschluss der Schulkonferenz
- Aufnahme der Förderung sicherer, eigenständiger und nachhaltiger Mobilität ins Schulprogramm
- Kommunikation über schuleigene Website, Social Media, lokale Presse
- Information des Fördervereins
- Aushänge erstellen
- Regelmäßige Erhebung und Veröffentlichung der Verkehrsmittelwahl (z.B. Verkehrszähmer-Programm, Stempelaktion)
Problembewusstsein vermitteln
Faktoren für erfolgreiche Wissensvermittlung:
- Aufmerksamkeit erzeugen
- Zielgruppe persönlich involvieren
- Wissensvermittlung bildhaft, verständlich und ehrlich
- Gerüchte und falsche Behauptungen widerlegen
- Wissensvermittlung nur in Kombination mit weiteren Maßnahmen
Selbstwirksamkeit erfahrbar machen
Handlungsoptionen aufzeigen und erlaufbar machen:
- Schüler:innen müssen Handlungsoptionen kennenlernen und einüben
- Schulwegtraining durchführen
- Fahrradtraining anbieten
- Schulweggemeinschaften organisieren
- Veränderungen im Mobilitätsverhalten reflektieren
- Zeigen, dass Maßnahmen wirken
Anreize schaffen und Kosten aufzeigen
Zwei Ansätze:
- Eltern über negative Folgen von Elterntaxis informieren
- Anreize für Schüler:innen schaffen, eigenständig und nachhaltig zur Schule zu kommen
Instrumente:
- Verkehrszähmer-Programm
- Kampagnen durchführen
- Privilegien einräumen
- Verbesserung der Mobilitätsangebote
Emotionen positiv nutzen
Fokus auf:
- Erfolgsbeispiele kommunizieren
- Stolz und Freude der Kinder herausstellen
- Ängste durch Information und Sicherheitsmaßnahmen reduzieren
- Zutrauen in Fähigkeiten der Kinder stärken
Gewohnheiten durchbrechen
Besonders wirksam bei:
- Schulwechsel (Einschulung, weiterführende Schule)
- Schuljahresbeginn
Instrumente:
- Selbstverpflichtung (aufgeschrieben, öffentlich, freiwillig)
- Anreize und Restriktionen
- Erinnerungshilfen (Prompts) über längeren Zeitraum
8. Sicherstellen, dass alle Akteure informiert sind
Damit das Schulmobilitätskonzept nicht in der Schublade endet, muss Kommunikation folgende Punkte gewährleisten:
8.1 Das Konzept erreicht alle
- Verwaltung (alle relevanten Ämter)
- Politik
- Schulen (Leitung, Kollegium, OGS)
- Schüler:innen
- Eltern
- Verkehrsbetriebe
- Polizei
8.2 Maßnahmen werden verstanden und umgesetzt
Alle Beteiligten wissen:
- Was umgesetzt wird
- Warum es nötig ist
- Wer zuständig ist
- Wann die Umsetzung erfolgt
8.3 Umsetzung sichtbar machen
- Baustellenschilder, Infografiken, Social-Media-Updates
- Erfolgsmeldungen: "Querung fertiggestellt", "Laufbus gestartet"
- Fortschrittsberichte zu größeren Maßnahmen
8.4 Wirksamkeit und Anpassungen kommunizieren
- Was wirkt bereits?
- Wo muss nachgesteuert werden?
- Welche Erfahrungen gibt es aus Schule, Elternschaft und Verwaltung?
Kontinuierliche Kommunikation schafft Akzeptanz und Vertrauen – und macht Mobilitätsentwicklung erlebbar.
9. Kommunikation mit Schulen und Kitas in der Nachbarschaft
Befinden sich weitere Schulen und Kitas in direkter Nachbarschaft, sollten diese mitgedacht und aktiv einbezogen werden.
Einbeziehung von Kitas
Viele Kinder wechseln von einer benachbarten Kita in die Grundschule.
Empfohlenes Vorgehen:
- Schulwegplan bereits vor Einschulung an Eltern weitergeben
- Information über Bedeutung sicherer, eigenständiger Schulwege
- Vortrag beim 0. Elternabend in der Schule oder in der Kita
- Gemeinsame Erkundung des Schulumfelds mit Bezirksbeamten/Verkehrssicherheitsberater:innen
- Einüben von Verkehrsregeln vor der Einschulung
Medien: Schulwegplan, Präsentation
Einbeziehung von Nachbarschulen
Schulen befinden sich häufig in Schulzentren – das bietet Vorteile (ÖPNV-Erschließung, Orientierung) aber auch Herausforderungen (Elterntaxi-Problematik, überlasteter ÖPNV).
Empfohlenes Vorgehen:
- Information über Projekt und Absichten zu Projektbeginn
- Teilnahme an Befragungen für besseres Gesamtbild
- Information über Ergebnisse am Ende der Konzepterstellung
- Beteiligung an Umsetzung von Maßnahmen (z.B. Entzerrung von Unterrichtszeiten)
Medien: Befragung, Schulwegplan, Schulmobilitätskonzept, Präsentation, Internetseite
10. Schema der Kommunikation
Die Kommunikation im schulischen Mobilitätsmanagement folgt einem integrierten Ansatz, der alle verhaltenspsychologischen Einflussfaktoren berücksichtigt:
Problemwissen → Verantwortungsgefühl → Selbstwirksamkeit
↓
Persönliche Norm
↓
Soziale Norm ← → Kosten-Nutzen-Abwägung
↓
Emotionen ← → Gewohnheiten
↓
Abwägungsprozess
↓
Intention & Verhalten
Alle Ebenen müssen in der Kommunikation adressiert werden, um nachhaltige Verhaltensänderungen zu erreichen.
Fazit
Erfolgreiche Kommunikation im schulischen Mobilitätsmanagement:
✓ Berücksichtigt verhaltenspsychologische Einflussfaktoren auf allen Ebenen
✓ Kennt die Beziehungen zwischen Akteursgruppen und nutzt sie strategisch
✓ Ist zielgruppenspezifisch und nutzt passende Instrumente
✓ Ist kontinuierlich statt punktuell
✓ Ist transparent und ermöglicht Feedback
✓ Macht Erfolge sichtbar und kommuniziert Wirksamkeit
Erst wenn alle Akteur:innen wissen, was geplant ist, was passiert und wie sie selbst beitragen können, entsteht eine kommunale Mobilitätskultur, die Kinder und Jugendliche nachhaltig stärkt.